Um 9h geht’s los auf den Sonntagsmarkt nach Tarabuco. Die Fahrt dauert 1,5 Std., und als wir ankommen müssen die meisten erstmal aufs Klo. Eine Frau sitzt mit ihren beiden Kindern in einer kleinen Bude am Eingang und kassiert Eintritt. Es gibt kein fließendes Wasser und offenbar hat sich bisher niemand die Mühe gemacht, aus den im Hof stehenden Behältern etwas Wasser zum spülen zu benutzen.

...und Cholera. Positiv anzumerken ist allerdings das Vorhandensein von Klobrillen. Davon habe ich während der gesamten Reise nur etwa ein Dutzend gesehen. In den meisten Reiseführern steht, dass man genug Klopapier mitnehmen sollte. Das gibt es aber fast überall zu kaufen. Ich würde eher empfehlen, immer eine portable Klobrille am Gürtel zu haben.
Ich rege an der Kasse an, nicht nur Geld zu kassieren, sondern auch ab und zu mal die Klos zu reinigen, wofür ich schallendes Gelächter ernte.
Dann zeigt uns der Guide die verschiedenen Bereiche des Marktes. Auf dem Dorfplatz steht ein Denkmal für den anfangs erfolgreichen Widerstand der Indígenas gegen die Konquistadoren. Dem spanischen Soldaten wurde das Herz (der Sitz des Bösen) herausgerissen und es steht kurz davor, verspeist zu werden.

In einem Innenhof von etwa 400 – 500m² werden alle möglichen Lebens- & Nahrungsmittel angeboten. Hier kauft unser Guide Kräuterzigaretten und Kokablätter für alle zum probieren. Danach haben wir ein paar Stunden Zeit zum umsehen, bevor wir uns zum Mittagessen im Restaurant Samay Wasi treffen wollen. Der Markt ist schön und vielfältig, die Verkäufer sind nicht so aufdringlich wie in den täglich geöffneten Mercados (große Hallen mit vielen Ständen) in den Städten, und das Feilschen macht hier richtig Spaß.


Es gibt viele Ponchos im Tarabuco-Stil. Der gefällt mir aber nicht: zu bunt und zu viele Fransen. Dann sehe ich meinen Poncho: natürliche, erdige Farben, festes Material, längs gestreift, dezentes Muster.

Der Verkäufer will 800Bs. Bis auf 600 bekomme ich ihn im 1. Anlauf runter. Dann gehe ich wieder, setze mich auf die zentrale Plaza und mache Inventur. Ich habe noch gut 400Bs, außerdem ein paar US$. Einen Bankautomaten gibt es hier nicht – da hatte ich eigentlich fest mit gerechnet, wenn die hier regelmäßig Touris ankarren. Also kaufe ich erstmal was kleines – weil ich vermute, dass ich nach dem Ponchokauf pleite sein werde -, nämlich 2 Paar Alpakasocken. Der Verkäufer geht von 60Bs auf 55 runter. Weniger ist nicht drin. Ich will aber nur 50 bezahlen. Wir feilschen über Qualität, Verarbeitung usw., aber er besteht auf 55. Erst als ich gehe ruft er mir hinterher, verkauft mir die 2 Paar für 50Bs und reicht mir die Hand. Er hatte offensichtlich ebensoviel Spaß an unserem Handel wie ich. Das war eine gute Einstimmung auf meinen 2. Anlauf beim Ponchoverkäufer und ich habe bereits einen Plan. Ich biete ihm 500Bs, z.T. in Bolivianos, z.T. in US-Dollar. Es geht lange hin und her. Seine Frau habe 80 Tage daran gearbeitet; nochmal überziehen; der Halsausschnitt ist etwas eng; alles natürliche Farben; ich hätte ihn gerne etwas länger; sehr robustes Material usw. Letztlich zahle ich 530Bs (knapp 60€; später in Perú werde ich mehrfach von Einheimischen auf den Poncho angesprochen und mir wird bestätigt, dass der Preis durchaus reell ist). Der Verkäufer fragt woher ich komme, nimmt mich in den Arm, und zum 2. Mal habe ich den Eindruck, dass wir beide nicht nur am Geschäft, sondern auch am Handelsprozess unsere helle Freude hatten.
Auf dem Weg zum Samay Wasi:
Im Samay Wasi:

Zwei Kinder des Hauses zeigen einen traditionellen Tanz. Der Junge trägt einen typischen Tarabuco-Poncho.
Gegen 16:30h kommen wir wieder in Sucre an. Mein Bus nach La Paz fährt bereits um 19:30h, aber vorher will ich noch rauf zum Aussichtspunkt La Recoleta. Christian, einer der Teilnehmer der Tarabuco-Tour, begleitet mich. Je mehr wir uns austauschen, desto mehr Gemeinsamkeiten entdecken wir. Es ist fast schon unheimlich. Da ist die Tatsache, dass er es war, der im Hostal in mein Zimmer ziehen sollte (s. 27.8.), geradezu zwingend. Oben angekommen essen wir jeder einen großen Eisbecher und sehen hinunter auf die Stadt.

Dann muss ich auch schon zurück zum Hostal, meinen Rucksack abholen und dann zum Busbahnhof. Zum 1. Mal seit meinem Flug Panamá-Perú wird mein Rucksack gewogen. Weil ich in La Quiaca 2 Mülltüten mit “Dingen, die ich eigentlich gar nicht brauche” ausgemustert habe, kommt der Rucksack auf “nur noch” 27kg. 7kg Übergepäck, ich soll 14Bs zahlen. Obendrauf ist mein faltbarer 5-Liter-Wasserkanister mit einem Rest Wasser drin. Ich sage, dass ich den eben auskippe, dann würde ich bestimmt noch 1kg los. Da muss ich plötzlich nur noch 10Bs zahlen – inkl. Wasser.




















